Schlechter Schlaf kann
Vorbote einer Demenz sein

 

Eine kanadische Studie hat erstaunliche Zusammenhänge zwischen schlechtem Schlaf und einer möglichen späteren Demenz aufgedeckt: Wer während der REM-Phasen, in denen man eigentlich völlig ruhig im Bett liegt, einen starken Bewegungsdrang verspürt, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten 15 Jahre an Demenz zu erkranken.

In nahezu allen westlichen Ländern nimmt die Zahl der Demenz-Kranken stetig zu: In Deutschland sind es nach Schätzungen rund 1,8 Millionen Menschen, in Österreich knapp 200.000; wobei die Zahl beständig zunimmt. Selbst bei Jüngeren wurden vermehrte Demenz-Fälle beobachtet. Eine spezifische Therapie gibt es noch nicht, mittels Medikamenten kann die Erkrankung nur gebremst und gemildert werden. Je früher die Behandlung einsetzt, desto größer kann dann der Erfolg sein. Entscheidend ist daher die Vorsorge und das Achten auf erste Symptome. Denn – wie die Studie zeigt – schon 15 Jahre vor dem vollen Ausbruch können erste Anzeichen auftreten.

 

Erste Anzeichen

Eine Störung des REM-Schlafs kann somit ein frühes Anzeichen für eine spätere Demenz-Erkrankung sein.

In dieser REM-Phase ähnelt der Schlaf zwar einem flachen Schlafstadium, doch ist dies jene Zeit, in der am meisten geträumt wird. Zugleich sind die Muskeln absolut entspannt. Eine glückliche Fügung der Natur: Stellen wir uns bloß vor, was alles passieren könnte, wenn wir nicht wie gelähmt diese Traumphase absolvieren, sondern unsere Träume mit Tatkraft ausleben würden…! Herzschlag und Atmung steigen dabei an. Das besondere Kennzeichen sind aber die schnellen Augenbewegungen. Die Abkürzung REM steht daher für Rapid Eye Movement. Das Gehirn arbeitet jetzt mit Höchstleistung. Wird die Hirnaktivität sowohl während der verschiedenen Schlafstadien als auch im Wachzustand mit radioaktiven Substanzen bestimmt, so zeigt sich, dass sie in den REM-Stadien am höchsten ist! Wenn nun das Gegenteil eintritt und es im REM-Stadium zu starker Bewegung statt absoluter Ruhe kommt, kann das eben mit einem Demenz-Risiko assoziiert sein.

Eine Demenz ist auf neurodegenerative Veränderungen zurückzuführen, wobei die Diagnose oft erst dann gestellt wird, wenn die Symptome bereits ausgeprägt sind. Aber es gibt ein Frühwarnsystem: Zu Beginn einer Demenzerkrankung tritt es häufig zu Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit auf, später werden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses „gelöscht“. Dadurch verlieren Patienten nach und nach ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten, aber auch Lebensfreude und Lebenssinn.

 

Typische Symptome

Und das sind typischen Symptomen einer Demenzerkrankungen: Vergesslichkeit und Verwirrung, Orientierungslosigkeit, Aggressivität und Gereiztheit, Persönlichkeitsveränderungen, aber auch Wahnvorstellungen mit Halluzinationen, abnehmende Aktivität, vor allem aber auch Schwierigkeiten bei der Verrichtung von Alltagsdingen.

Unser Gehirn ist allerdings – und das ist die Basis der neuen Studie – offensichtlich schon lange, lange Zeit vor einer ersten Diagnose imstande, Signale zu senden, die auf eine spätere Demenz hinweisen können. Demnach soll eine sogenannte REM-Schlaf-Störung ein mögliches Warnzeichen für Hirnleistungs-Störungen sein, die bis zu 15 Jahre (!) später auftreten.
Die kanadischen Forscher gehen davon aus, dass Menschen, die während der Traumphasen Bewegung zeigen und um sich schlagen oder treten, ein zwischen 80 bis 100 Prozent höheres Risiko haben, eine neurodegenerative Erkrankung wie eben eine Demenz zu entwickeln.
Ähnliches dürfte auch für die Parkinson-Krankheit gelten, die ebenfalls als neurodegeneratives Leiden gilt.

Aber Angst beiseite: Nicht jeder Albtraum ist Vorbote einer Demenz sein. Entscheidend dürfte sein, dass der erhebliche Bewegungsdrang vor allem im
REM-Schlaf auftritt.

Übrigens kommt eine ähnliche Bestätigung aus den USA: Wissenschaftler der Boston University konnten zeigen, dass auch verkürzte REM-Phasen, welche nicht unbedingt an Bewegungsmuster gekoppelt sein müssen, zu einem erhöhten Krankheitsrisiko führen.