In fremden Betten schläft es sich schlechter

In fremden Betten schläft es sich schlechter

Das Phänomen ist bekannt: Kaum verbringt man eine Nacht im Hotel oder in der neuen Wohnung – schon schläft man schlechter. Einbildung oder nicht? Neue Forschung beweisen: Es stimmt tatsächlich. Und Schuld ist die linke Hirnhälfte. Sie bleibt trotz des Tiefschlafes wachsam, registriert also unbewusst die neue Umgebung. Resultat: Der Schlaf ist tatsächlich gestört.

Wenn du das Kopfkissen wechselst, schläfst du nicht, heißt es in einem japanischen Sprichwort. Forscher der Brown University in den USA haben nun herausgefunden, weshalb die erste Nacht in fremden Betten oft wenig erholsam ist: Die linke Hirnhälfte verharrt in ungewohnter Umgebung in einer Art Alarm-Stellung und bleibt wacher als die rechte.

Übrigens haben Meerestiere und manche Vögel einen derartigen Ein-Hemisphären-Schlaf, bei dem eben eine Hirnhälfte wach bleibt, während die andere schläft. Menschliche Gehirne funktionieren zwar nicht ebenso asymmetrisch wie zum Beispiel jene von Meerestieren, doch möglicherweise – aber das ist noch gar nicht wirklich erforscht – haben unsere Gehirne ein Miniatur-System dessen, was Wale und Delfine haben. Amerikanische Forscher haben jedenfalls mit Hirnstrommessungen und bildgebenden Verfahren wie Magnetresonanz und CT den Schlaf von freiwilligen Versuchspersonen in der ersten und der achten Nacht im Schlaflabor analysiert. Das Ergebnis hat die Theorie bestätigt: In der ersten Nacht reagierte die linken Hirnhälfte in der an sich erholsamen Tiefschlafphase besonders empfindlich auf Geräusche.

Warum gerade die linke Hälfte wachsam ist und – wie die Untersuchungen zeigten – nicht die rechte, können sich die Wissenschaftler vorerst nicht erklären. Zudem wurde bisher ja immer nur die eine – linke – Hirnhälfte beobachtet. Es könnte, so meint man, aber durchaus sein, dass sich die Hirnhälften im Laufe einer Nacht in ihrer Aufpasserfunktion abwechseln.

Wie auch immer: Die Studienergebnisse sind hochinteressant. Die Erkenntnisse bestätigen vorerst jedenfalls einmal mehr Forschungsergebnisse, wonach der Schlaf kein homogener Zustand, sondern ein durchaus wechselvoller, wenn auch nicht zu kontrollierender Ablauf ist.

Die neuen Erkenntnisse könnten somit auch zu neuen therapeutischen Möglichkeiten bei Schlafstörungen führen. Experten gehen nämlich schon länger davon aus, dass Menschen mit chronischen Schlafproblemen unter einem Zustand ständiger Alarmbereitschaft leiden – sozusagen unter einer permanenten Habacht-Stellung. Aus diesem Grund könnten Entspannungstechniken, aber auch gezieltes Später-ins-Bett-Gehen oder eine ausgleichende Umgebung (wozu auch das optimale Schlafsystem gehört) bei Schlafstörungen besser helfen als chemische Substanzen, die allesamt ein Suchtpotential aufweisen.

Zum Schluss noch ein guter Tipp: Um dem Fluch der ersten Nacht zu entgehen oder ihn zumindest zu lindern, sollte das eigene Kopfkissen mitgenommen oder möglichst immer dasselbe Hotel gebucht werden.
Vielleicht sind Vielreisende aber auch in der Lage, die nächtliche Alarm-Stellung abzuschalten, denn unsere Gehirne sind gottlob sehr flexibel. An der Brown University versucht man deshalb aktuell, den „wachen“ Teil des Gehirns mit bestimmten Techniken auszuschalten und zu testen, ob sich der Schlaf dadurch verbessern lässt.

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