EINE PILLE FÜR DEN GUTEN SCHLAF: Schlafmittel? Ja, aber …

Eine Pille für den guten Schlaf: Schlafmittel? Ja, aber…

Nicht einschlafen können? In der Nacht ruhelos wie ein Propeller kreisen? Kein Problem! Die Schlaftablette macht’s wieder gut. Doch Vorsicht! Der rasche und unkontrollierte Griff zum Schlafmittel hat seine Tücken.

Es hat ja alles auch sein Gutes: Die moderne Forschung hat Schlafmittel sonder Zahl mit sich gebracht. Doch gerade daran spießt es sich: Man kommt viel zu leicht an diese Präparate, nimmt sie oft wahllos ein – und verschlimmert damit das Problem nur noch mehr. Also andersrum! Der Einsatz von Schlafmitteln will wohl bedacht sein und erfordert – ob man’s wahr haben will oder nicht – die Mithilfe des Arztes. Schlafmittel sollten jedenfalls aus Sicht der Medizin immer am Ende der therapeutischen Kette stehen. Zunächst gilt es also organische, psychische oder psychosoziale Ursachen auszuschließen, Aufklärung und Beratung in Anspruch zu nehmen, sich einer Psychotherapie zu stellen oder auch nichtmedikamentöse Schlafhilfen (darüber wurde im Insider bereits mehrfach berichtet) anzuwenden – erst dann darf die Schlaftablette zu ihrem Recht kommen.
Natürlich ist es relativ aufwändig, nach Ursachen zu forschen oder Aufklärung zu betreiben. Die Tablette macht es da viel einfacher. Sie wirkt meist sehr schnell und macht zumindest zwei Personen ebenso schnell zufrieden: den Patienten, der rasch wieder gut schläft und den Arzt, der erfolgreich behandelt hat.

Das dicke Ende ist bald in Sicht …

Bei praktisch jedem Schlafmittel ist die Gefahr einer mehr oder weniger ausgeprägten Abhängigkeit vorhanden. Der Verlauf ist dabei durchaus eng gesteckt. Von der Gewöhnungsphase über das Nicht-mehr-aufhören- können bis zur Toleranzentwicklung mit Dosissteigerung und schließlich – nach Absetzen der Medikamente – oft erheblichen Entzugserscheinungen spannt sich der Bogen der unerwünschten Wirkungen.
Aktuell wird die Zahl jener Menschen, die ständig mit wenig Kontrolle zu diesen Präparaten greifen und bereits körperliche Abhängigkeit zeigen, in Österreich, Deutschland und Italien auf bereits mehr als vier Millionen geschätzt.
Typisch für derartige Mittel ist zudem, dass sie mit der Zeit ihre schlaffördernde Wirkung verlieren. Schlafstörungen können also trotz Medikation neuerlich auftreten – und sind dann umso schwerer zu behandeln, da die bisher gewohnte Menge nicht mehr ausreicht, um die Schlafschwierigkeiten zuzudecken. Natürlich wirken sich die notwendigen und immer höheren Dosen auch äußerst negativ auf den nächsten Tag aus. Es dauert mitunter Stunden, bis die Substanz nach dem Aufwachen auch vollständig abgebaut ist, was prompt zu großen Schwierigkeiten in Sachen Aufmerksamkeit und Konzentration führt.

Der Teufelskreis beginnt sich zu drehen…

Bei der Abhängigkeit von Schlafmitteln überwiegt das weibliche Geschlecht. Häufig handelt es sich um ältere, oft auch geschiedene oder verwitwete Personen. Was den Beruf betrifft, so finden sich viele in leitenden Positionen, was durchaus mit dem damit verbundenen höheren Stresspotential zusammenhängen kann. Als häufigste Konfliktsituationen gelten übrigens Probleme im Bereich Ehe, Liebe und Familie (mehr Frauen) bzw. Beruf (eher Männer).
Schlafmittel – und das ist keine Frage – müssen auf der anderen Seite doch eingesetzt werden. Dann aber gezielt und nur unter Betreuung eines Arztes. So bequem der Gang zur nächsten Apotheke auch ist, um sich eines dieser Mittel zu besorgen – zu empfehlen ist er nicht. Denn auch rezeptfreie Substanzen haben ihre Tücken, zumal auch sie zur Abhängigkeit führen können.

Wichtig für die Beurteilung der Wirksamkeit eines Schlafmittels ist nicht allein, ob sich durch die Einnahme der Schlaf in ausreichendem Maß einstellt. Entscheidender ist, ob sich die Störung der Befindlichkeit am Tag verringert. Und was hilft nun wirklich? Auch hier gibt es keine umfassende Antwort. Ihr Arzt hilft aber sicher gerne weiter.

Hier finden Sie eine kleine Auswahl an Präparat-Gruppen:

Barbiturate

Sie galten über rund 100 Jahre als die klassischen Schlaferzwinger, werden aber heutzutage wegen ihrer vielen nachteiligen Wirkungen immer weniger einsetzt. Das Wirkprofil ist eng, die Nebenwirkungen groß. Dazu kommt ein schneller Gewöhnungseffekt mit Abhängigkeitspotential. Was noch dazu kommt: Barbiturate verändern die Schlafstruktur, da sie unter anderem den REM (Traum)- Schlaf unterdrücken. Ein weiterer Nachteil: Durch die lange Wirkzeit wird der nächste Tag beeinflusst, das Leistungsvermögen sinkt.

Bromhaltige Mittel

Die beruhigende Wirkung des Broms ist seit mehr als 150 Jahren bekannt. Noch vor 30 oder 40 Jahren hatten diese Medikamente eine Renaissance als rezeptfreie Einschlafhilfen. Inzwischen sind auch diese Substanzen rezeptpflichtig, da sie ebenfalls abhängig machen und – ähnlich den Barbituraten – negative Wirkungen zeigen können.

Chloralhydrate

Diese Stoffe gehören zu den seit gut 100 Jahren bekannten schlaffördernden Substanzen. Wegen unangenehmer Nebenwirkungen (beispielsweise Reizung der Magenschleimhaut, Übelkeit etc.) wurden sie mit der Zeit seltener eingesetzt. Heute sind diese Mängel durch moderne Zubereitungen weitgehend überwunden. Chloralhydrathaltige Mittel werden daher immer noch verwendet. Sie gelten als relativ sicher und verträglich und beeinflussen – ob ihrer kurzen Wirkzeit – den nachfolgenden Tag weitaus weniger.

Benzodiazepine

Die schlaffördernde Wirkung der „Benzos“ wurde vor mehr als 60 Jahren entdeckt. Im Gegensatz zu den schlaferzwingenden Barbituraten sah man Benzodiazepine als schlafbahnende Substanzen. Heutzutage werden sie zur Behandlung mittlerer und schwerer Schlafstörungen eingesetzt – wobei auch unterschiedliche Formen dieser Störungen therapiert werden können. Die Präparate unterscheiden sich je nach kurz-, mittel- oder langfristiger Wirkdauer bzw. nach ihrer Wirkart. Einige stoßen den Schlaf nicht nur an und fördern einen ungestörten Verlauf, sie wirken auch angstlösend, beruhigend und entspannen die Muskulatur. Derartige Medikamente sind darüber hinaus zumeist gut verträglich. Sie verkürzen die Einschlafzeit, verlängern die Schlafdauer und verbessern idealerweise die Schlafqualität. Unter ärztlicher Kontrolle sollten Benzodiazepine nur für zwei bis sechs Wochen, in schweren Fällen längstens über drei bis vier Monate eingenommen werden. Auch ein kurativer Einsatz über vier Wochen mit nachfolgender vierwöchiger Pause und neuerlicher Einnahme im beschriebenen Zyklus ist möglich.

Neue Mittel, wenig Nebenwirkung

Seit einigen Jahren existiert eine neue Generation an Schlafmitteln, die eine kurze bzw. sogar sehr kurze Wirkzeit haben. Sie enthalten die Substanz Zopiclon bzw. Zolpidem, die mit den anderen schlaffördernden Präparaten wenig Ähnlichkeit hat. Diese Medikamente haben jedenfalls den Vorteil, dass sie das natürliche Schlafprofil weitaus weniger verändern, als alle anderen Therapeutika. Die Schlafqualität wird von schlafgestörten Patienten nach Einnahme zumeist als weitaus besser beurteilt. Dies konnte auch durch zahlreiche Studien untermauert werden. So kam es zu keiner Verringerung der erholsamen Tiefschlafphasen, am Tag zeigten sich wesentlich weniger Nebenwirkungen. Und: Auch das Absetzen dieser Mittel fiel leichter, zumal weniger Rückfälle und Entzugssymptome auftraten.

Schlafmittel der Zukunft?

In der letzten Zeit versuchen sich neue Substanzen ihren therapeutischen Weg zu bahnen. Dazu zählen die Delta- Sleep-Inducing-Peptides DSIP) aber auch das Melatonin. Beide Substanzen scheinen aber nicht zum Wundermittel zu mutieren. Die Studienergebnisse der DSIP sind teilweise vollkommen widersprüchlich, eine breite Anwendung steht noch aus. Auch das schlaffördernde Hormon Melatonin wird heftig diskutiert. Es wird als Wundermittel gegen Jetlag und andere Arten der Schlafstörungen gehandelt, kann aber tatsächlich nicht das halten, was die Hersteller versprechen. In Einzelfällen ist Melatonin aber sicher imstande, Schlafstörungen, die mit dem Schlaf- Wach-Rhythmus zusammenhängen, günstig zu beeinflussen. Aber wie gesagt: Der Weisheit letzter Schluss ist das alles noch nicht.

Wir sehen also: Die Vielfalt der Schlafstörungen ist groß, das Angebot an Mitteln zur Behandlung ebenso. Schlafmittel müssen sein – ihre Anwendung sollte aber stets gezielt ausgewählt werden. Dazu gilt: Vorsichtig dosieren und zeitlich begrenzen! Und: Ein Schlafmittel darf, wie gesagt, immer nur in Absprache mit dem Arzt eingesetzt werden.

Das ideale Schlafmittel sollte:

  • sicher und rasch wirken
  • das physiologische Schlafprofil nicht verändern
  • nach Absetzen keine übermäßigen REM (Traum)-Phasen provozieren
  • möglichst wenig Nebenwirkung haben
  • nicht kumulieren (kurze Halbwertszeit, relativ rasche Ausscheidung aus dem Körper)
  • keinen „Hangover“ hervorrufen (Schläfrigkeit am Morgen)
  • nicht an Wirksamkeit verlieren
  • nicht mit anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten
  • seine Wirkdauer auf die Nacht beschränken
  • zu keiner Abhängigkeit führen

4Kommentare

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  • Lina sagt:

    Ich halte es für äußerst bedenklich das viele gleich zu Tabletten greifen, sobald sie mal nicht einschlafen können. Warum hinterfragt man nicht die Ursache für die Schlafstörungen anstatt gleich mit einer Tablette drauf zu hauen?

  • Kissen sagt:

    Ein wesentlicher Faktor für schlechten Schlaf liegt in der schlechten Grundausstattung unserer Nachtlager – und damit meine ich Matratze, Kissen, Decke aber auch die Belüftung des Schlafzimmers!

  • Danni sagt:

    Ich bin ja immer ein wenig skeptisch gegenüber Schlafmitteln, aber da mein Freund sein Schnarchen einfach nicht in den Griff bekommt, greife ich doch manchmal zur Tablette. Vielleicht muss ich ihm mal so eine Schnarchspange holen, auch wenn er das nicht möchte.

    Grüsse
    Danni

  • Mathias sagt:

    Also was Schlaf angeht ist Stress und Essen wohl das wesentlichste was man selbst beeinflussen sollte. Ich habe über eine Diät (Warriors Diät) selbst für mich rausgefunden das 17 Uhr für mich die beste Zeit für die letzte Mahlzeit ist. Dadurch bin ich vor dem Schlafen entsprechend leer und kann nachts tief und ruhig durchschlafen. Das andere ist wie gesagt der Stress. Diesen Punkt finde ich am schwesteren, da man erstmal lernen muss Stressoren kognitiv neu einzuschätzen.
    LG
    Mathias