Schlafstörungen bei Babys, Kleinkindern und Jugendlichen

Schlafstörungen bei Babys, Kleinkindern und Jugendlichen

Wie Kinder einen erholsamen Schlaf finden

Wenn ein Kind unter Schlafproblemen leidet, ist oft die ganze Familie betroffen. Die gute Nachricht: Nicht immer muss man deswegen einen Arzt aufsuchen. Wir haben die häufigsten kindlichen Schlafstörungen unter die Lupe genommen und gehen der Frage nach, wie Sie – wenn auch Ihr Kind betroffen ist – am besten damit umgehen.

Nächtliche rhythmische Bewegungsstörungen

Bei Babys und Kleinkindern sind beim Eintritt in den Schlaf manchmal rhythmische Bewegungen zu beobachten. Vermutlich tun sie das, um sich auf diese Weise zu beruhigen. Die Bewegungen sind jedoch völlig normal und nehmen ab dem vierten Lebensjahr auch wieder ab.

Schlafwandeln

Schlafwandeln bei Kindern ist oft auf eine Unreife des zentralen Nervensystems zurückzuführen. Am häufigsten tritt Schlafwandeln im Alter zwischen vier und acht Jahren auf, spätestens in der Pubertät legt sich diese Schlafstörung in der Regel wieder. Daher ist auch keine medikamentöse Behandlung nötig. Ein typisches Verhalten beim kindlichen Schlafwandeln ist das aufrechte Sitzen im Bett. Es kommt aber auch vor, dass Kinder tatsächlich aufstehen und umhergehen. Daher sollten für schlafwandelnde Kinder Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um sie vor Unfällen zu schützen, beispielsweise Sicherheitsriegel an den Fenstern, an Treppen und Schränken.

Albträume

Kinder erleben in Albträumen mitunter die kuriosesten Dinge: Sie träumen von Monstern unter dem Bett und werden von bösen Hexen verfolgt. Im Alter von zwei bis sechs Jahren treten Albträume am häufigsten auf und lassen dann in der Regel wieder nach. Wenn auch Ihr Kind einen schlechten Traum hatte, dann ist Nähe besonders wichtig – versuchen Sie es zu beruhigen, in den Arm zu nehmen und ihm Sicherheit zu geben. Sie können Ihrem Kind zum Beispiel auch zeigen, dass keine Monster oder dunkle Gestalten unter dem Bett sind – wenn dies der Trauminhalt war.

Nachtschreck

Nachtschreck, im Fachjargon auch Pavor Nocturnus genannt, zählt zu den häufigsten Aufwachstörungen im Kindesalter. Gerade hat der Nachwuchs noch friedlich geschlafen, plötzlich hört man mitten in der Nacht einen panischen Schrei aus dem Kinderzimmer, gefolgt von einem Weinen. Die Eltern finden ihr Kind mitunter schweißgebadet, heftig atmend und mit rasendem Puls im Bett sitzend. Versuche, das Kind zu beruhigen, indem man es in den Arm nimmt, ihm zuredet oder es streichelt, bleiben oft erfolglos. Und dann, nach einigen Minuten, ist alles wieder vorbei. Der Schreck weicht aus dem Gesicht des Kindes, es schläft wieder ein und kann sich am nächsten Morgen an nichts erinnern. Pavor Nocturnus tritt am häufigsten im Alter zwischen zwei und sechs Jahren auf, meist in den ersten zwei bis drei Stunden nach dem Einschlafen. Er ist völlig harmlos und hat nichts mit Alpträumen zu tun. Als Eltern können Sie lediglich abwarten, bis der Spuk vorbei ist und darauf achten, dass sich Ihr Kind nicht verletzt, wenn es zum Beispiel das Bett verlässt und durch die Wohnung läuft.

Bettnässen

Jedes dritte Kind im Alter von vier Jahren ist noch Bettnässer. Schlafmediziner sehen darin jedoch nur dann eine Störung, wenn es auch nach dem fünften Lebensjahr noch auftritt. Das Bettnässen hört im Laufe der Zeit für gewöhnlich von alleine auf. Das heißt natürlich nicht, dass man es ignorieren sollte. Angst, Scham und ein geringes Selbstbewusstsein des Kindes gehen damit oft einher. Leidet das Kind besonders unter dem Bettnässen, sollten Sie einen Arzt oder pädiatrischen Schlafmediziner kontaktieren, auch um andere medizinische Ursachen auszuschließen und sich über die Methoden zu informieren, wie man die Blase trainieren oder mit Verhaltensstrategien die Probleme besser bewältigen kann.

Verzögertes Schlafphasensyndrom

Kinder mit verzögertem Schlafphasensyndrom – davon sind meist Teenager betroffen – klagen darüber, dass sie nicht zur gewünschten Zeit einschlafen können und haben dann große Mühe, am nächsten Morgen aufzustehen. Eine Situation, die auch für die Eltern schwierig ist, die jeden Morgen damit kämpfen müssen, ihr Kind aus dem Bett zu bekommen. Bei vielen Teenagern wirkt laut der deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin folgendes: Wenn die Betroffenen Freitagnacht sehr lange aufbleiben und den ganzen Samstag wachbleiben, sind sie schließlich so müde, dass sie tatsächlich gegen Mitternacht einschlafen können. Am Sonntag sollten sie dann zu der an Schultagen üblichen Zeit aufstehen. Diese Schlaf-Wachzeiten sollten von nun an regelmäßig – also auch am Wochenende – eingehalten werden.

Narkolepsie

Kinder, die an Narkolepsie leiden, werden mehrmals am Tag von unkontrollierten Schlafattacken heimgesucht. Sie können beim Sprechen, Essen oder sogar auf dem Fahrrad plötzlich einschlafen. Beim Einschlafen und Erwachen kann es zu Bewegungsunfähigkeit und Sprachblockierung kommen. Diese Schlafattacken können nur wenige Sekunden dauern oder aber bis zu einer halben Stunde anhalten. Im frühen Stadium der Narkolepsie haben Kinder oft große Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen. Kurz nach dem Aufstehen sind sie häufig verwirrt und aggressiv. Es ist wichtig, Narkolepsie früh zu erkennen, da diese Art der Tagesschläfrigkeit die Leistungsfähigkeit in der Schule stark beeinträchtigen kann und man bei mangelnder Aufklärung die Symptome oft als Faulheit oder Lustlosigkeit interpretiert. Das Befinden vieler narkoleptischer Kinder lässt sich durch regelmäßige, zeitlich genau festgelegte Schläfchen zwischendurch und stimulierende Medikamente verbessern.

Wie Kinder gute Schlafgewohnheiten erlernen

  1. Legen Sie für Ihr Kind einen Zeitplan mit regelmäßigen Schlaf- und Wachzeiten fest. Achten Sie auf deren Einhaltung. 
  2. Führen Sie regelmäßige Schlafrituale zur Förderung der Schlafbereitschaft ein. Für jüngere Kinder eignen sich Gute-Nacht-Geschichten, für ältere ruhige und entspannungsfördernde Beschäftigungen vor dem Schlafengehen. 
  3. Bringen Sie Ihrem Kind von klein auf bei, im eigenen Bett selbständig einzuschlafen.
  4. Auch Eltern benötigen dringend erholsamen Schlaf. Achten Sie darauf, dass Sie selbst ausreichend Schlaf bekommen.

Wann zum Arzt?

Wenn die (falschen) Schlafgewohnheiten des Kindes über einen längeren Zeitraum Probleme bereiten, ist es unumgänglich, einen Arzt aufzusuchen, der im Bedarfsfall zur weiteren Abklärung an einen pädiatrischen Schlafmediziner überweist. Schlafmediziner sind dabei sehr auf die Beobachtungen der Eltern angewiesen. Bei der Terminvereinbarung für einen Besuch in einem Schlafzentrum werden die Eltern daher in der Regel gebeten, den Schlaf- und Wachrhythmus ihres Kindes über ein bis zwei Wochen schriftlich zu dokumentieren. Um eine richtige Diagnose zu stellen, muss der schlafmedizinische Experte genau wissen, wann das Kind ins Bett geht, wann es aufsteht und welche Ereignisse wie oft und zu welcher Zeit seinen Schlaf stören. Zudem benötigt er auch Informationen über die Leistungsfähigkeit und Funktionstüchtigkeit des Kindes am Tage.

Buchtipp zum Thema

Wer mehr zu diesem Thema erfahren will, dem empfehlen wir das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ von Annette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth. Darin finden Sie wertvolle Infos, anschauliche Fallbeispiele und zahlreiche Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Schlafproblemen – und man bekommt viele Infos darüber, wie man seine Kinder liebevoll und konsequent zu guten Schläfern erziehen kann. Zudem wird eine Art „Einschlaf- und Durchschlaf-Plan“ vorgestellt, mit dem der Nachwuchs innerhalb von wenigen Tagen zu einer erholsamen Nachtruhe findet.

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